Klimawandel: Blog Action Day 2009

Dass der Blog Action Day mit dem diesjährigen Motto „Klimawandel“ an den Start geht, gefällt mir sehr gut. Ein öffentlicher Diskurs zum Thema kann nur positiv sein – Ignoranz bringt keine Handlungs-Anregung zur Verbesserung der Zustände mit sich.

Mittlerweile gilt es als recht sicher, dass die aktuelle Erderwärmungs-Phase zum überwiegenden Teil durch die industrielle Revolution – also durch Menschenhand – hervorgerufen wurde bzw. wird und nicht etwa durch „ganz natürlichen Prozess“ der für einen bestimmten Zeitraum verstärkten Sonnenaktivität (ein von Gegnern gern hervorgebrachtes Argument). Außerdem schätzen Experten dass allein die bisher verursachten Temperatur-Veränderungen noch mindestens 1.000 Jahre zu spüren sein werden – selbst wenn sofort alle Emissionen gestoppt würden…

Blog Action Day 2009 Banner
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Ein Video das die Idee hinter dem am heutigen 15. Oktober weltweit im Netz stattfindenden „Blog Action Day“ kurz erläutert, gibt es auch (grundlegende Englisch-Kenntnisse hilfreich):

Dass die Blog-Aktion im Ausland und vor allem den USA besser angenommen wird als hierzulande, liegt sicher auch an der fehlenden deutschen Übersetzung der Seite. Aber es ist auch bitter nötig dass dort die Message verbreitet wird: die USA stehen mit den weltweit absolut höchsten CO2-Emissionen an der Spitze der Treibhausgas-Verursacher-Liste (noch vor der Europäischen Union!) und haben eine fast doppelt so hohe jährliche pro-Kopf-Emission wie z.B. Deutschland.

Trotzdem kein Grund für uns die Hände in den Schoß zu legen und sich darauf auszuruhen, nur weil es Länder gibt, die schlechter als wir dastehen. Die Ursachen für die Treibhausgas-Produktion sind vielfältig und reichen von Strom- und Güter-Produktion über verkehrsbedingte Emissionen bis hin zur landwirtschaftlichen Nutzung.

Weniger Zeug kaufen / besitzen

Eine Möglichkeit selbst Einfluss auf die weitere Entwicklung zu nehmen, ist (unter vielen anderen Möglichkeiten) einfach weniger „Zeug“ zu kaufen bzw. zu besitzen und damit für weniger Emissionen durch  Produktion und Stromverbrauch zu sorgen.

Auch wenn ich es nur zu gut verstehen kann, wenn man die kleinen technischen Spielereien besitzen möchte, so sollte doch jeder ab und an in sich gehen und überlegen, welche Anschaffungen wirklich Sinn machen und was von dem gekauften Zeug dann doch nur in der Ecke rumliegt und die eigene Wohnung zumüllt. Der Trend zur „Entschlackung“ und „Fokussierung auf das Wesentliche“ ist eine sinnvolle Entwicklung, die dem immer stärker ausufernden Konsum-Wahn entgegengesetzt werden kann.

Das alte Zeug z.B. über eBay loszuwerden ist sicher keine schlechte Idee, um den eigenen Haushalt aufzuräumen und dabei den eigenen Geldbeutel etwas aufzufrischen – Dinge gar nicht erst anzuschaffen eine bessere – weil für die Umwelt positive – Lösung.

Ein gutes Vorbild bin ich dabei (noch) nicht so sehr: ich sammle zum Beispiel Kühe, von denen die meisten zwar ohne Strom auskommen und weniger CO2 verursachen als ihr lebendes Pendant, aber auch bei deren Produktion und Transport wird einiges an CO2 in die Atmosphäre geblasen. So muss jeder für sich entscheiden, wo er die Grenze zwischen überflüssigen Dingen zu wirklich wichtigen Anschaffungen zieht. Das Schwierige ist vermutlich besonders der gr0ße Bereich in der Mitte mit den „Nice-to-Have“-Dingen.

Story of Stuff

Zum Thema „zu viel Stuff“ möchte ich absolut den sehr gut gemachten Animationsfilm „Story of Stuff“ empfehlen, der mit einfachen Mitteln auf eindrucksvolle Weise erläutert, warum die „mehr Zeug“-Mentalität nicht so eine gute Idee ist:

die >Story of Stuff< von und mit Annie Leonard
die >Story of Stuff< von und mit Annie Leonard

Anzuschauen ist das sehr empfehlenswerte Werk unter www.storyofstuff.com (internationale Version mit deutschem Untertitel)

Die „Story of Stuff“ wird es auch als Buch bzw. Taschenbuch geben, obwohl das irgendwie – der Gedanke drängt sich geradezu auf – der eigentlichen Idee des herübergebrachten Inhalts widerspricht…

9 thoughts on “Klimawandel: Blog Action Day 2009”

  1. Apropos weniger "Zeug" kaufen: Ein Fachgespräch zum Thema Green-IT veranstaltet von den Grünen im Bundestag hat mich tatsächlich dazu bewogen, mir kein neues Handy zu kaufen. Man mag es kaum glauben, diese kleinen Geräte verursachen mit die größten Probleme. Klar, als Geek fühlt man sich nackt ohne neue, technische Spielereien. Aber die Umwelt geht nun mal vor. Ebenso verhält es sich mit dem Kauf eines neuen Notebooks oder PCs. Warum soll ich mir etwas kaufen (auch wenn es finanziell kein Problem wäre), wenn meine alte Technik noch gar nicht so alt ist und noch bestens funktioniert.

    Das Dumme ist nur, dass ich damit allein auf weiter Flur stehe. Viele meiner Freunde und Bekannten sind ebenso technik-begeistert wie ich, kaufen aber stets das neueste "Zeug". Auch wenn ihre alten Geräte noch gar nicht so alt sind. Vor allem Geräte aus dem Hause Apple scheint vermehrt zum Kauf zu animieren.

    Apropos CO2: Wie schaut es aus, schon den Stromanbieter gewechselt? Meine Eltern haben den Wechsel zu Greenpeace Energy nicht bereut und sogar noch Geld zurück bekommen. Sowas kannten sie bei Edis nicht.

    Es gibt noch viele Dinge mehr, die man der Umwelt zuliebe unternehmen kann, und welche auch gar nicht so weh tun. Hier eine kleine Liste:

    – Glühbirnen austauschen

    – auf Standby verzichten (Hifi, TV usw.)

    – Master/Slave-Steckdosen verwenden

    – Schaltsteckdosen verwenden

    – Recycling-Papier verwenden (Taschentücher, Toilettenpapier, Briefpapier, Briefumschläge usw.)

    – Kontowechsel zu einer Ökobank

    – Fahrrad/Bahn statt Auto

    Auf geht's! Jetzt wird gehandelt und nicht nur drüber geredet. Was hast Du so in den letzten Monaten in Sachen Ökologie konkret unternommen?

  2. Die Liste geht weiter:

    – Recycling-Küchentücher

    – Öko-Waschmittel/-Weichspüler/-Putzmittel

  3. Das mit den Glühbirnen ist nicht so pauschal zu unterschreiben, da etliche Alternativ-Produkte insgesamt zu einer höheren Umweltbelastung führen und nicht tatsächlich (wie gern behauptet) eine länger Lebensdauer haben (Stichwort: Schaltvorgänge im Alltagsgebrauch). Das sind vor allem die billigeren Leuchtmittel, aber ich befürchte dass genau diese vermehrt durch die Änderungen über den Ladentisch gehen. Für einen etwas weniger geschönen Eindruck zum Thema gibt es z.B. hier einen Bericht.

    Standby an den entscheidenden durch Schaltsteckdosen zu vermeiden, ist bei uns seit einigen Jahren Realität.

    Ansonsten ist bei allen ökologischem Bemühungen auch Augenmaß gefragt, was wirklich effektive Methoden sind, die auch auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet einen Einfluss haben. Das wird sicher nicht dadurch erreicht, dass die Masse der Bevölkerung zu einer Ökobank wechselt, was nicht passieren wird.

    Es geht darum, eine Gefühl für den Umweltschutz zu erzeugen und das geht in erster Linie mit Worten und Austausch zum Thema. Weiterhin gilt: "vorleben" ist effektiver als "vorgeben".

  4. Was ich oben aufgelistet habe, lebe ich vor und gebe es nicht vor. Das drüber reden, ob es nun wirklich Sinn macht oder nicht, habe ich mir längst abgewöhnt. Das ist verschwendete Zeit, die wir nicht mehr haben. Das mit dem "Augenmaß und effektive Methoden" … das sind, sorry nicht persönlich gemeint, meist nur Ausreden aus Bequemlichkeit oder anderen Gründen. Ich bin da eher der Pragmatiker. Besser heute als morgen handeln.

    Eine Ökobank ist eine sinnvolle Sache. Mir fallen keine Gründe ein, die dagegen sprechen. Für diejenigen, die Kosten sparen wollen, ist sie meist auch günstiger (in meinem Fall spare ich sogar mehr als die Hälfte). Das war für mich aber nicht DAS Argument. Ich fand toll, dass ich selbst entscheiden kann, wohin mein Geld investiert werden soll (http://www.gls.de/die-gls-bank/projekte.html) und dass es vernünftig investiert wird. Geld ist meiner Meinung nach in diesen Branchen besser angelegt als in Risikogeschäfte, um noch mehr Zinsen zu bringen. Die beste Rendite ist, der Umwelt zu helfen. Da haben meine Kinder mehr von als ein dickes Sparbuch vom Papa zu erben.

    Nicht, wer über theoretische Ökologie-Maßnahmen schreibt, motiviert zum Mitmachen. Sondern wer es praktisch anwendet und dann drüber schreibt. Also, wie schaut es aus, schon den Stromanbieter gewechselt?

  5. Hier ein Video-Beitrag (leider nur 7 Tage im Netz, also schnell anschauen), der sehr gut zum Thema "Zurückhaltung beim Elektronikkauf": http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=2902032.html

    Hat mich absolut schockiert! Mein Elektronikkonsum werde ich ab sofort noch einmal drastisch überdenken. Und wenn ein Neukauf unvermeidlich ist, werden die Altgeräte definitiv nicht weggeschmissen.

    Es gilt um so mehr die Forderung auf dem diesjährigen Green IT-Fachgespräch der Grünen: "Re-Use statt Re-Cycling".

  6. Auf der Einkaufsliste stand unter anderem ein Aktenvernichter. Hab dann überlegt, ob ich die alten Papierberge nicht doch weiter zerreiße. Sind aber teilweise sensible Informationen. Glücklicherweise gibt es kleine, schicke Aktenvernichter mit Kurbel. Auch für CDs/DVDs und Kreditkarten geeignet. Das kommt mir doch sehr gelegen. Keine Elektronik, kein Stromverbrauch, aber trotzdem alles schon geschreddert. Heureka!

    Noch nen kleiner Tipp in Sachen Büroausstattung: Es gibt von Edding umweltfreundliche Whiteboard-Marker (Serie EcoLine). Kann man auch bei OTTO-Office bestellen.

  7. > Eine Ökobank ist eine sinnvolle Sache.

    > Mir fallen keine Gründe ein, die dagegen sprechen.

    Glaube ich gern. Für die Masse könnten die gleichen Punkte wie bei den meisten Direktbanken dagegen sprechen: "Verfügbarkeit eines persönlichen Ansprechpartners vor Ort" und "Einzahlung von Bargeld in der Bankfiliale".

    > wie schaut es aus, schon den Stromanbieter gewechselt?

    Das Wechseln ist nur ein Teil des Weges.

    Wir haben z.B. auf Jahresbasis unseren Verbrauch um mehr als 25% reduziert, was für die Umwelt unmittelbar das entlastendere Signal ist.

    > Nicht, wer über theoretische Ökologie-Maßnahmen schreibt,

    > motiviert zum Mitmachen. Sondern wer es praktisch

    > anwendet und dann drüber schreibt.

    Ganz klar: Handeln ist besser als Reden.

    Ist Al Gore aber deswegen ein schlechterer Umweltschützer, weil er es sehr gut versteht, darüber zu reden, berichten und die Mißstände darzustellen ohne jede Maßnahme selbst umzusetzen? Klar gibt es viele Dinge, die der Einzelne tun kann um einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten – auch ohne drüber zu reden.

    Dass über derartige Themen zu berichten, nichts bringen soll, widerlegt allein Dein verlinktes Video vom Elektronik-Schrott in Afrika schon, das Dich (nehme ich an) nachhaltig beeindruckt hat.

    > Es gibt von Edding umweltfreundliche Whiteboard-Marker (Serie EcoLine)

    Danke für den Tipp – werde ich bei der nächsten Bestellung mal ordern und ausprobieren.

  8. >> Eine Ökobank ist eine sinnvolle Sache.

    >> Mir fallen keine Gründe ein, die dagegen sprechen.

    > Glaube ich gern. Für die Masse könnten die gleichen

    > Punkte wie bei den meisten Direktbanken dagegen

    > sprechen: “Verfügbarkeit eines persönlichen

    > Ansprechpartners vor Ort” und “Einzahlung von Bargeld

    > in der Bankfiliale”.

    Stimmt, da hast Du Recht. Solche Gründe fallen mir, der wahrscheinlich nicht zur Masse zählt, nicht mehr ein. Meine Eltern und meine Tante würden jedich genauso argumentieren. Doch lesen die leider weder diesen Blog, noch sind sie überhaupt im Internet unterwegs. Vielleicht hätte ich die Aussage anders formulieren sollen: "Mir fallen für Leute wie Dich und mich keine Gründe ein, die dagegen sprechen."

    >> wie schaut es aus, schon den Stromanbieter gewechselt?

    > Das Wechseln ist nur ein Teil des Weges.

    Sicherlich ist es nur ein Teil. Für mich war dieser Teil so wichtig, dass ich ihn priorisiert habe. Für mich gilt: Wenn möglich, CO2- und Atomstrom komplett vermeiden. Und dann mit dem Ökostrom so sparsam wie möglich umgehen.

    > Wir haben z.B. auf Jahresbasis unseren Verbrauch um

    > mehr als 25% reduziert, was für die Umwelt unmittelbar

    > das entlastendere Signal ist.

    Wie bereits oben angedeutet, ist das "unmittelbar entlastendere Signal" der Komplettverzicht auf CO2- und Atomenergie. Den Stromverbrauch um 25% zu reduzieren ist aber schon nen Hammer. Glückwunsch und Respekt! Ausschließlich in den privat genutzten Zimmern oder auch inkl. Arbeitszimmer? Wie habt Ihr so eine drastische Reduzierung hinbekommen?

    Würde ich noch keinen Ökostrom nutzen, wäre es für mich spätestens jetzt DER Grund, den Stromanbieter zu wechseln. Was spräche denn noch dagegen (für Leute wie Dich und mich)?

    Wir haben bis vor Kurzem auch unseren Verbrauch reduziert, aber wahrscheinlich nur im einstelligen Prozentbereich. Das liegt aber auch größtenteils daran, dass ich jetzt extern arbeite. Somit sind PC, Notebook und Hifi-Anlage im häuslichen Arbeitszimmer deutlich seltender in Betrieb.

    Aber wenn ich ehrlich bin, ist die Energie-/CO2-Bilanz dadurch schlechter geworden. Einerseits, weil im externen Büro kein Ökostrom fließt. Andererseits war ich teilweise mit der Bahn und mit dem Auto unterwegs. Demzufolge wurde mehr Strom verbraucht und mehr CO2 produziert. Jetzt bin ich konsequent mit dem Fahrrad unterwegs (nachdem es endlich umgebaut und repariert wurde und ich wetterfeste Fahrradkleidung habe). Dafür wird jetzt wieder mehr Strom für jemand anderes im Haushalt gebraucht. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch Optimierungsbedarf gibt.

  9. Die Reduzierung betrifft den (größeren) privat-Bereich, im geschäftlichen Verbrauch hat sich nicht viel geändert. Hauptsächlich haben wir das durch bewusstes Drauf-Achten erreicht (Lampen nur in genutzten Räumen brennen lassen usw.) und ein paar Dinge wie die Temperatur des Kühlschranks auf einen sinnvollen Wert zu korrigieren etc. Außerdem hat sich unsere Waschmaschine nach 10 Jahren verabschiedet, und die neue arbeitet etwas verbrauchsärmer. Es lässt sich also leider nicht beliebig oft wiederholen und weiter nach unten schrauben. Aber vielleicht finden sich ja noch Geräte, die sich nach und nach durch stromsparendere Alternativen ersetzen lassen. Way to Go…

    > “Mir fallen für Leute wie Dich und mich keine

    > Gründe ein, die dagegen sprechen.”

    Der genannte Grund Bargeld zur Bank bringen zu können trifft auf mich durchaus mehrfach im Jahr zu. Des weiteren kommt hinzu, dass ich regelmäßig Schecks aus dem Ausland einlösen muss (z.B. USA), da habe ich gern einen persönlichen Ansprechpartner.

    Trotzdem ist das sicher eine gute Sache, es sollte sich eben jeder vorher genau informieren und für sich abwägen was er benötigt bzw. worauf er verzichten kann.

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