Soylent – nur noch künstlich essen?

Rob Rhinehart (Blog) hat sich überlegt, dass er nicht mehr essen möchte. Nein, das wird nicht so eine Story mit einem der erzählt, dass man plötzlich nur noch von Luft und Licht leben kann – kann man nämlich nicht: der menschliche Organismus benötigt in allen ca. 7 Milliarden Fällen neben Wasser diverse Nährstoffe zum Überleben.

Aber er hat über die herkömmliche Nahrungsaufnahme mit Auswahl, Zubereitung und Aufnahme der Nahrung nachgedacht. Und er ist zur Erkenntnis gelangt, dass herkömmliche Nahrung für viele Menschen in etlichen Situationen eine nervige Angelegenheit ist – insbesondere wenn es darum geht, sich auch noch gesund zu ernähren.

Daher hat er „Soylent“ ersonnen: eine Form der Ernährung, die sich in der Selbstbeschreibung auf der Website so liest:

Soylent is a simple and affordable nutritional drink that has everything the healthy body needs.

oder auf Deutsch:

Soylent ist ein einfaches und preiswertes Nährstoff-Getränk, das alles enthält, was der gesunde Körper braucht.

Er hat sich mit der Frage beschäftigt: „Welche Nährstoffe benötigt der Mensch zum (gesunden) Überleben?“. Er hat Bücher gewälzt und seine Küche zu einer Art Chemie-Labor umfunktioniert und während er seine Ernährung auf diese Nährlösung umgestellt hat (an der er währenddessen weiter experimentiert hat) seine Erfahrungen im seinem Blog niedergeschrieben.

Soylent Version 0.8
Soylent Version 0.8

Herausgekommen ist ein trockenes Pulver, das mit Wasser vermischt und ohne Kochen „zubereitet“ werden kann – also ein am ehesten an Smoothies oder Eiweißdrinks erinnerndes Gebräu. Es soll die Inhaltsstoffe einer ausgewogenen Ernährung enthalten und an den jeweiligen Organismus und bestimmte Ziele anpassbar sein.

Die Zutaten werden relativ öffentlich weiterentwickelt (auch wenn dort nicht alle – wie z.B. Vitamine, die auch enthalten sind – genannt werden).

Mittlerweile hat er im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne für Soylent mehr als 1 Million Dollar eingesammelt. Es gibt offenbar eine ganze Menge „verrückter Typen“, die mit der Idee sympathisieren.

Als Vorteile werden von Rhinehart unter anderem folgende Punkte verkauft:

  • keine Krebs und andere Krankheiten erzeugende Giftstoffe enthalten, die durch Spritzen von Obst oder Gemüse oder z.B. Rückstände von Arzneimitteln in Tierfleischt etc. in die herkömmliche Nahrung gelangen
  • Zeit und Geld wird gespart, die sonst mit Einkaufen, Kochen und Saubermachen vergeudet werden würde
  • Müllvermeidung (alles was wir essen ist unsäglich umfangreich verpackt und verursacht schon bei der Herstellung viel Müll
  • 50% der Nahrungsmittelproduktion weltweit wird verschwendet – wäre mit Verbreitung von Soylent nicht mehr nötig
  • 1 von 7 Menschen weltweit sind mangelernährt – durch den geringeren Preis, könnte das verringert werden
  • usw.

Inbesondere die Frage, wo die in Soylent verarbeiteten Stoffe herkommen und ob die Herstellung dieser dann weniger „Fußabdruck“ erzeugt, als die herkömmlichen Nahrungsmittel, wird bisher nicht beantwortet.

Riskantes Spiel oder geniale Idee?

Aus meiner Sicht, ist es ein recht interessantes aber ebenso riskantes Experiment: der Mensch hat sich in Millionen Jahren evolutionär an die Möglichkeiten angepasst, die unsere natürliche Flora und Fauna bieten. Wir haben noch nicht komplett verstanden, welche Wechselwirkungen zwischen Nährstoffen und dem menschlichen Organismus bestehen. Trotzdem hat der Gedanke an eine ideal auf den (jeweiligen) menschlichen Körper abgestimmten Ernährung, die kein Lebensmittelchemie- und Medizin-Studium jedes einzelnen voraussetzt, etwas von Enteckungslust und Zukunftsvision.

Im Moment machen mir allerdings das Kochen, bisweilen sogar das Einkaufen und vor allem aber das Essen zu viel Spaß, als dass ich es durch einen immer gleichen und eher langweiligen Nährstoffdrink ersetzen möchte.

Hier noch ein Video der Macher:

Stoff zum Weiterlesen:

Ach ja, und falls sich jemand fragt, wo er den Namen „Soylent“ schon mal gehört hat: das war vermutlich im Namen „Soylent Green“ aus dem Film Soylent Green – Jahr 2022 … die überleben wollen (*) – dort bestand das „Nahrungsmittel“ allerdings aus menschlichen Überresten…

Update: im Blog bei Tim Ferriss gibt es nun eine umfangreiche Darstellung (englisch) von zwei Testwochen, die Shane Snow mit Soylent durchgeführt hat. Er hat seine Erfahrungen dabei ebenso wie den körperlichen Zustand (Blutwerte etc.) vorher und nachher dokumentiert. Auch Tims Anmerkungen am Ende des Artikels sind sehr sinnvoll.

Gesetzt den Fall, „Soylent“ wäre von der Lebensmittelaufsicht zugelassen – würdet Ihr das probieren oder kommt das gar nicht in Frage? Wo geht der Weg hin in den nächsten 50 Jahren? Wird solch eine Ernährung irgendwann zum Standard?

5 Gedanken zu „Soylent – nur noch künstlich essen?“

  1. […] Methoden und Notwendigkeiten nachzudenken, mit denen das geschieht. Das muss nicht gleich zu einer Umstellung auf künstliche Nahrung oder zum Boykott des Systems führen, aber möglicherweise zu mehr Bewusstheit im Umgang mit […]

  2. […] aktuelle Motherboard-Show (die mir auch sonst als Format ganz gut gefällt) befasst sich mit der Ernährungs-Drink “Soylent” (neudeutsch: “Food-Replacement” was ja inhaltlich eigentlich Quatsch ist…), den […]

  3. Hallo,
    habe einen Beitrag im tv gesehen. Kann man das Produkt irgendwo erwerben?

    Mfg Andreas

    1. Auf der Website der Macher steht „International availability mid-2014.“ als wird es wohl noch ein paar Wochen bzw. Monate dauern bis das auch in Deutschland erhältlich sein wird. Im Blog bzw. auf Facebook werden die Macher sicher drauf hinweisen, wenn das möglich ist.

  4. Ich bin seit 8 Monaten auf dem deutschen Produkt http://www.veetal.de super zufrieden wer sich davon ernähren möchte zu fast 100% sollte das so machen erst mal testen dann wenn es gefällt 2 grose Pakete bestellen wenn eins davon alle ist ein neues ordern dann hat mann immer Vorrat ich kann mir nicht mehr vorstellen normal zu essen mit Ausnahme mal am Wochenende ins Restaurant oder so

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