Marketing-Lektion mit Joshua Bell

Exzellente Qualität zur erkennen, hat nicht nur etwas mit der Qualität selbst zu tun, sondern auch mit dem Kontext in dem die Qualität wahrgenommen wird. Wenn ein Weinkenner seinen Wein aus der Flasche trinken soll (oder noch besser aus dem Tetrapak) während er im Kalten warten muss, dann wird es ihm sehr schwerfallen, den wahren Genuss zu erlangen.

Außerdem ist die Erwartungshaltung ein wichtiger Punkt, der Einfluss auf die Wahrnehmung der Qualität hat. Wenn die Person entsprechend eingestimmt ist, auf das was da kommen wird, so schlägt sich das auch in dem Eindruck nieder, den die Person vom Gebotenen erlangt. Als Beispiel hierfür lässt sich die Empfehlung durch einen Experten auf einem Gebiet nennen.

Experiment zur Bedeutung von Kontext, Wahrnehmung und Prioritäten (mit Joshua Bell als “Lockvogel”)

Die Washington Post hat ein Experiment (englische Seite mit Videoausschnitten) gemacht, bei dem der weltbekannte Geiger Joshua Bell mit seiner 4Mio-Stradivari spielend in einer U-Bahn-Station 43min lang einen Straßenmusiker dargestellt hat (ohne dass jemand über 1000 vorbeilaufenden Passanten davon wusste versteht sich). Ziel war es, herauszufinden, ob es den Vorbeieilenden auffällt, dass die Qualität der Darbietung so einzigartig ist.

Was ist also passiert?:

  • $32,17 “Einspielergebnis” in 43 Minuten (wobei er sonst schon mal $1.000 die Minute verdienen soll…)
  • einige Personen bleiben kurz stehen
  • keine Grüppchenbildung
  • 1 Person (von 1097) erkannte ihn

Dem gegenüber stehen die ausverkauften Konzert-Hallen, die der Musiker sonst füllt, bei einem Preis von $100 pro Karte für einen Platz.

Was kann man daraus lernen?

Kontext ist wichtig. Und mindestens genauso wichtig ist die Erwartungshaltung der Menschen, die etwas geboten bekommen. Das ist genau das gleiche bei Webseiten: Eine Empfehlung der Website oder des Webapplikation durch die richtigen Leute ist mehr wert als die schiere Anzahl von Links die man kaufen kann. Diese setzen den Kontext und Erzeugen gleichzeitig eine Erwartungshaltung im Kopf des Betrachters. Deswegen sind Multiplikatoren so wichtig.

Die tatsächliche Qualität darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, aber ein normal spielender Joshua Bell im richtigen Umfeld mit den richtigen Empfehlungen hätte wesentlich mehr Zuspruch gefunden, als ein exzellent spielender Bell in der U-Bahn-Station ohne jegliche Werbung oder Ankündigungen (wie im Experiment zu sehen).

Noch dazu kommt, dass die Masse der Menschen exzellente Qualität von sehr guter Qualität sowieso nicht unterscheiden kann, was man auch keinem übelnehmen kann, es ist ja niemand ein Experte in jedem Gebiet.

Und genau das alles zeigt das Experiment mit Joshua Bell noch einmal sehr eindrucksvoll. Sehr schöne Idee!

via Tailored Blog

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